Museum Oberschönenfeld Museum Oberschönenfeld
Bezirk Schwaben

Flüssiges Brot

Band 43
Matthias Fieder (Hg.)
Flüssiges Brot
Bier,Brauereien und Wirtshäuser in Schwaben

84 S., mit zahlreichen farbigen Abbildungen
ISSN 0935-4433
Oberschönenfeld: 2010
Preis: 12,00 EUR

Zum Inhalt:
Bis heute gilt Bier in Bayern als „Nationalgetränk“, „Grundnahrungsmittel“ und „Kulturgut“. Der Freistaat hat den höchsten Bierverbrauch in der Bundesrepublik und zählt mit rund 620 Brauereien fast die Hälfte aller deutschen Braustätten. Bier in Bayern wird häufig gleichgesetzt mit Bier in Altbayern und Franken, aber wie steht es mit dem „flüssigen Brot“ in Bayerisch-Schwaben? Aktuell liegt Schwaben mit nur noch knapp 70 Braustätten auf dem vorletzten Platz der bayerischen Skala. Aber dies war nicht immer so: Im Jahr 1846 hatte Bayerisch-Schwaben mit 969 Brauereien die meisten in ganz Bayern! Der reich bebilderte Ausstellungskatalog liefert spannende Einblicke in verschiedene Aspekte dieser historischen und traditionsreichen Brauereilandschaft.

Einleitend wird die Zeit des zünftisch organisierten Brauereihandwerks exemplarisch am Beispiel der Stadt Augsburg dargestellt, was die Ausstellung mittels prachtvoller Leihgaben aus den Sammlungen des städtischen Maximilianmuseums unterstreicht (Simone Herde: Die Entwicklung des Augsburger Brauhandwerks vom Ende des Zunftregiments bis zum Ende der Reichsfreiheit 1549 – 1805/06). Im zeitlichen Anschluss wird auf die Industrialisierung des schwäbischen Braugewerbes eingegangen, die untrennbar mit dem vielfältigen Einsatz von Dampf- und Kühlmaschinen verknüpft ist. Die aufgrund der technologischen Innovationen einsetzenden radikalen Veränderungen ersetzten nicht nur menschliche und tierische Muskelkraft, sondern führten auch zu einem immensen Brauereisterben. Ein Prozess, der heute im Zeitalter zunehmender Globalisierung noch lange nicht zu Ende ist (Matthias Fieder: Industrialisierung und Brauereisterben in Schwaben während des 19. und frühen 20. Jahrhunderts).

Einem nahezu in Vergessenheit geratenen Kapitel widmet sich der Beitrag über Hopfenanbau in Schwaben. Bevor die Hallertau Anfang des 20. Jahrhunderts zum größten Hopfenanbaugebiet Deutschlands aufstieg, wurde der Hopfen auch in Schwaben kultiviert und errang sogar dank seiner Qualität internationale Preise (Matthias Fieder: „Als Hopfen und Malz noch nicht verloren waren“ - Hopfenanbau in Schwaben).

Ein Artikel befasst sich mit den noch heute an vielen Wegesrändern erkennbaren Bierkellern, deren Bau mit Einführung untergäriger Biere notwendig wurde. Unter anstrengendem Arbeitseinsatz musste das für die konstante Kühlung benötigte Eis in vorindustrieller Zeit aus gefrorenen Seen und Weihern gewonnen werden (Matthias Fieder: Eisgekühlter Gerstensaft – Der Bau von Bierkellern und die Natureisgewinnung).

Dass Bier für verschiedene Bevölkerungsgruppen auch ein regelrechtes Politikum werden konnte, schildert der spannende Beitrag über den Augsburger Bierkrawall von 1846, der im Zuge einer Bierpreiserhöhung ausbrach (Elisabeth Plößl: „Vivat, das Bier kostet 6 Kreuzer“ - Der Augsburger Bierkrawall 1846).  Neue technische Errungenschaften konnten sich im schwäbischen Brauereihandwerk erst mit Verzögerung flächig durchsetzen, zumal sie gerade für kleine Brauereien oftmals nicht finanzierbar waren – das Bier entsprach dabei nicht immer den Ansprüchen von Konsumenten und Ärzten, wie die schwäbischen Physikatsberichte anschaulich dokumentieren (Gerhard Willi: „Bier. Nach dem Wasser das gewöhnlichste Getränk...“ - Bier und Bierkonsum im Spiegel der schwäbischen Physikatsberichte).

Größeren Zeiträumen widmen sich zwei Beiträge: Einmal geht es um die 600 Jahre währende Brautradition und die wirtschaftliche Bedeutung des Bieres für die Zisterzienserinnenabtei Oberschönenfeld (Matthias Fieder: 600 Jahre Brautradition – Die Klosterbrauerei Oberschönenfeld). Zum anderen um die seit Jahrhunderten andauernden Bemühungen zur Sicherung der Bierqualität, wie sie etwa durch die Augsburger Bierschankordnung von 1156, das noch heute gültige bayerische bzw. deutsche Reinheitsgebot von 1516 und moderne EU-Richtlinien erzielt werden sollen. (Ina Ragnhild Langenfeld / Matthias Fieder: Reinheitsgebote – Von der Augsburger Bierschankordnung 1156 zum EU-Bier).

Erschienen in der Schriftenreihe der Museen des Bezirks Schwaben, Band 43, hg. von Matthias Fieder.