Museum Oberschönenfeld Museum Oberschönenfeld
Bezirk Schwaben
Dorf mit verfallenen Häusern

"Nur der Umhüllung nach Soldat" - Schwäbische Künstler im Zweiten Weltkrieg

Sonderausstellung in der Schwäbischen Galerie
14. Juli bis 15. September

„Ich war immer nur der Umhüllung, der Kleidung nach Soldat, ob ich mich dieses Bekenntnisses schämen muss, oder ob ich darauf stolz sein kann, vermag ich nicht zu entscheiden…“, schrieb der in Augsburg geborene Maler Erwin Henning 1946 in seinen „Erinnerungen aus meinem Soldatenleben“.

Die Ausstellung beleuchtet an einigen Beispielen verschiedene Situationen von Künstlern aus Schwaben im Zweiten Weltkrieg und zeigt, wie der Drang zum Zeichnen und Malen sie stets begleitete. Die meisten von ihnen hielten ohne Auftrag ihre Umgebung fest: Kriegsschauplätze, zerstörte Gebäude, Bunker und Gefangene, aber auch Landschaften, Ortsansichten und Porträts der Bevölkerung wurden zu Papier gebracht. Bilder von der „Heimatfront“, Aquarelle und Zeichnungen, die unter anderem aus Frankreich, Russland und vom Balkan stammen, erinnern an eine Zeit vor und nach der Zerstörung. Porträts von Gefangenen zeigen Menschen in ihrem Leid und ihrer Resignation.

Ausstellungsflyer zum Download

Franz Fritz

Franz Fritz (1906–1979) ist in Augsburg und im Ries durch seine Stadtansichten bekannt. Auch in den Kriegsjahren beschäftigte er sich mit dem Thema Architektur. Kirchen und Dörfer in Russland und in der Ukraine sind die Sujets seiner frei entstandenen kleinen Zeichnungen. Nur eine der Zeichnungen zeigt Menschen: zwei sehr junge Partisanenhelfer, denen die Angst ins Gesicht geschrieben steht.

Erwin Henning

Erwin Henning (1901–1993) absolvierte 1942 in Potsdam eine Ausbildung zum Kriegsmaler indem er russische Gefangene porträtierte. 50 dieser Porträts sind in Privatbesitz. Die Ausstellung zeigt eine kleine Auswahl davon. Im Herbst 1943 musste Henning dann als Kriegsmaler der Propagandakompanie nach Lappland (Finnland) und Karelien (Russland). Dort schuf er neben eindrucksvollen Landschaften und Stadtansichten auch Bilder von verschneiten Bunkern und von resigniert wirkenden Soldaten.

August Hofer

Die ältesten Bilder in der Ausstellung stammen von August Hofer (1899–1981). Er nahm an beiden Weltkriegen teil. 1939 hielt er im Saarland zerstörte Gebäude und Kriegshandlungen in Bildern fest. Während des Frankreichfeldzugs schuf er neben Trümmerbildern auch Darstellungen seines Bunkers bzw. seines Mannschaftsraums mit Kommunikationsanlage. Ende 1940 wurde er an das Augsburger Stadttheater dienstverpflichtet und nach dessen Zerstörung 1944 nochmals eingezogen. Aus dieser Zeit sind keine Bilder von ihm bekannt.

Otto Schorer

Von Otto Schorer (1917–2006) sind neben Zeichnungen und Aquarellen auch Fotografien erhalten, die seinen Kriegseinsatz dokumentieren. Zunächst in Frankreich, kam er über Jugoslawien und Polen 1941 nach Russland. In Jassy (Rumänien) war er im Lager in Gefangenschaft und vom Herbst 1945 bis Frühjahr 1949 im Lager 7108/12 in Stalingrad. Da er für die Lagerverwaltung malte, wurde ihm dort eine Sonderstellung zuteil. Dennoch waren auch für ihn Hunger Kälte ständige Begleiter.

Luis Weidlich

Die Aquarelle und Zeichnungen von Luis Weidlich (1916–2010) spiegeln ein breites Themenspektrum wider – von Kriegsschauplätzen bis hin zu Marktszenen. Weidlichs regem Briefwechsel mit seiner Braut kann man viele wertvolle Informationen entnehmen, die sich auf seine Malerei beziehen. Man erfährt dabei, wie er an Papier kam, welche Themen ihn gerade beschäftigten, wie seine Zeichnungen und Aquarelle nach Augsburg gelangten oder wie er freigestellt wurde, um an einem bestimmten Ort zu malen.

Hanns Weidner

Hanns Weidner (1906–1981) hat wie viele seiner Künstlerkollegen seine Kameraden porträtiert, ohne Uniform, ganz privat. Von ihm selbst ist ein Bild, das ihn „Auf Wache“ zeigt, erhalten. Zunächst erscheint das Aquarell wie ein gewöhnliches Soldatenbild. Bei genauer Betrachtung jedoch entdeckt man einen Zeichenblock, den er wohl stets mit sich führte. Auch die Themen „Tod und Verwundung“ hat Weidner aufgegriffen.

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Begleitprogramm

Sonntagsführungen mit Bärbel Steinfeld M. A.:
11. und 25. August, jeweils 11 Uhr,
8. September, 15 Uhr

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