Ich male, also bin ich. Adi Hoesle

Schwäbische Galerie
12. Februar bis 23. April 2023

Der Ausstellungstitel nimmt Bezug auf den berühmten Satz des Philosophen René Descartes „Ich denke, also bin ich“. Die Fähigkeit zu denken und ein eigenes Bewusstsein zu entwickeln, ist die zentrale Voraussetzung für die individuelle Existenz. Die Kunstausstellung in der Schwäbischen Galerie ist von der Ausstellung „Über Grenzen. Menschen in Schwaben und ihre Geschichten“ inspiriert, die zeitgleich im Volkskundemuseum zu sehen ist.

Der Konzept- und Videokünstler, Maler und Fotograf Adi Hoesle ist ein Grenzgänger. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Kunst und Wissenschaft. Er ist Erfinder des Brainpainting. Hierbei machen es EEG-Gehirn-Computer-Schnittstellen möglich, einen PC durch das Gehirn zu steuern und digitale Bilder zu schaffen.

Nach einer Ausbildung zum Fachpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin studierte Adi Hoesle an den Kunstakademien in München und Nürtingen. Seit 2003 arbeitet er mit Prof. Andrea Kübler vom Institut für Psychologie der Universität Würzburg zusammen. Die Wissenschaftlerin erforscht seit über 20 Jahren das Brain-Computer-Interface. Die Methode wird vor allem in der Medizin genutzt. Sie ermöglicht es Menschen, die vollständig gelähmt sind, zu schreiben und zu sprechen.

Doch was hat das mit Kunst zu tun? „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“ (Paul Klee)

In der Videoarbeit Styx spürt Adi Hoesle der Sichtweise eines Jungen nach, bei dem im Alter von elf Jahren ALS diagnostiziert wurde. Die Krankheit führt zu Muskelschwund und ist unheilbar. Die Videoarbeit entstand aus mehr als 8.000 Fotos und 100 Videoclips, die alltägliche Szenen und Erlebnisse aus der Perspektive des Jungen nachzeichnen.

Das Video Die blinde Vorleserin, aufgenommen aus der Sicht von Claudia Böhme, entstand vor der gleichnamigen Arbeit im Museum. Diese gibt in großformatiger Blindenschrift drei Verse von Else Lasker-Schüler wieder. Die einzelnen Braille-Punkte werden durch kleine Gehirne gebildet, die sich in der Videoarbeit spielerisch tanzend mit den tastenden Händen verbinden.

In der Fotoserie I’m a model sehen wir Angela Jansen als Fotomodell. Aufgrund ihrer vollständigen Lähmung (Locked-in-Syndrom) kann sie nur mit den Augen kommunizieren.

Zwischen Neugier und Berührungsängsten hin- und hergerissen, werden für Besucher und Besucherinnen eigene Grenzen erfahrbar.

Bitte informieren Sie sich vorab, ob die geplanten Termine des Begleitprogramms stattfinden (telefonisch unter 08238 3001-0).

26. Februar um 15 Uhr 
12. März um 15 Uhr 
2. April um 11 Uhr

Dauer 60 Minuten

Familienführung mit Kreativ-Werkstatt 
Sonntag, 26. März, 15 – 16.30 Uhr

mittels einer EEG-Haube erstellen Sie Ihr eigenes Brainpainting-Bild am Computer, 
ab 10 Uhr stündlich, Anmeldung mit Zeitbuchung erforderlich

Samstag, 18. Februar mit Adi Hoesle 
Samstag, 4. März mit Anja Mayle 
Samstag, 18. März mit Johanna Feige

Moderation: Dr. Gudrun Szczepanek

Sonntag, 23. April um 11 Uhr